Von Dreibeinern und Piratenkatzen

Von Dreibeinern und Piratenkatzen

Bei unseren vielen Unternehmungen auf der Insel haben wir so einiges gesehen. Egal wo wir waren, ob auf unwegsamen Straßen im Dschungel, am heißen Strand oder auf überfüllten Märkten, egal ob Tag oder Nacht, sie sind überall– die vielen Straßenhunde- und Katzen von Koh Samui. So unterschiedlich sie auch aussehen, alle haben eines gemeinsam: Sie haben kein Zuhause. Ihr Zuhause sind die Straßen dieser schönen Insel. Sie schlagen sich durch, das sieht man ihnen an. Trotzdem, sie sind alle lieb und freundlich. So wie die Menschen hier. Obwohl die Thailänder keine Haustiere halten, wie wir das kennen, kümmern sich viele von ihnen um die Straßenhunde. Zahlreiche Hunde tragen Halsbänder, das heißt, sie haben jemanden, der sich um sie kümmert. Fast alle Geschäfte und Garküchen haben „ihre“ Hunde und Katzen. Sie werden gefüttert, sie werden geduldet. Sie dürfen sich dort aufhalten, auch wenn sie nicht zur Familie gehören. Oft treffen wir an gleichen Stellen auf immer dieselben Hunde und Katzen. Grundsätzlich dürfen sie überall liegen. Teilweise schlafen sie am Straßenrand, dicht neben den vorbeifahrenden Autos. In unserer Zeit hier haben wir lediglich einen überfahrenen Hund gesehen. Das ist erstaunlich, wenn man sieht wo diese Tiere liegen und schlafen. Es gibt leider nur sehr wenige Hotels, die herrenlose Hunde langfristig dulden oder gar füttern. Die Chance beim nächsten Urlaub den selben Hund wieder zu treffen ist gering.

Die Hunde und Katzen tun uns leid. So vielen würde man gerne auf Anhieb ein Zuhause geben. Aber es ist schwierig, die Hunde und Katzen nach Deutschland bzw.ins Europäische Ausland zu bringen.

Trotzdem sind die vielen Straßenhunde- und Katzen nicht ganz auf sich allein gestellt. Bis April 1999 gab es keinen Tierarzt auf der Insel und so war eine medizinische Betreuung unmöglich. Im April 1999 wurde das „Dog Rescue Center Samui“ durch tierliebe Urlauber gegründet und an der Chaweng-Beach-Road eine kleine Tierklinik für herrenlose Tiere eröffnet. Später kam ein großes Tierheim in Ban Taling Ngam dazu.

Als wir vom Dog Rescue Center Samui hörten, war uns klar, dass wir dort hinfahren werden. Wir wollten unseren Kindern zeigen, dass die vielen Hunde und Katzen, die wir treffen, jemanden haben, der sich um sie kümmert. Wir hatten auf der Webseite gelesen, dass man das Tierheim jederzeit besuchen darf, da sich so viele Hunde und Katzen auf Streicheleinheiten freuen. Gesagt – getan. Los ging die Fahrt zum Tierheim nach Ban Taling Ngam. Schon von weitem konnte man an der langen Mauer „Help uns Help“ lesen und das Gebell der Hunde hören. Wir gingen durch ein großes Tor, danach ein zweites Tor. Kaum waren wir drin wurden wir von den Hunden umzingelt, die sich frei auf dem Gelände bewegten. Zudem gab es einige Freilaufgehege in denen weitere Hunde zusammenleben. Man durfte jedes Gehege betreten, ohne zu fragen und ohne Begleitung. Es war so, wie es auf den Schildern überall geschrieben stand: Alle Hunde waren friedlich und dankbar für jede Art der Zuwendung. Für die Kinder war es zunächst etwas beängstigend, dass so viele Hunde auf einmal zu uns kamen. Einige von ihnen sahen so aus, als müsste man sich vor ihnen fürchten. Doch so war es keinesfalls. Wir mussten uns alle etwas überwinden damit wir uns nicht vom Aussehen der Hunde beeindrucken ließen. Das Leben auf der Straße hatte deutliche Spuren hinterlassen. Wir wollten nicht, dass die Hunde merken, wie entsetzt wir sie teilweise ansahen. Doch immer gelang uns das nicht. Teilweise hatten sie kaum noch Fell, gekennzeichnet von den vielen Flöhen und Parasiten, die sie während ihrer Zeit als obdachloser Hund begleitet haben. Hier wurden sie davon befreit. Wir trafen auch auf tapfere Dreibeiner. Im Tierheim und auf der Webseite kann man Fotos sehen, wie die Tiere aussahen, als sie zu den Tierschützern kamen. Nach überstanden Operationen und viel Pflege und Zuwendung führen sie nun wieder ein gesundes und beschütztes Leben. Manchmal nur noch mit drei Beinen. Aber diese „Dreibeiner“ wirkten auf uns keineswegs unglücklich. Alle ließen sich streicheln und legten sich oft gleich hin als wollten sie sagen „hör nicht auf damit, das tut so gut“. Wir hörten nicht auf. Die Kinder gewöhnten sich langsam an die vielen Hunde und wir alle waren umzingelt von absolut liebenswürdigen Kreaturen, die dankbar für diesen Platz im Tierheim waren. Sie hatten Glück und müssen sich nicht weiter auf der Straße rumschlagen. Nur sehr wenige von ihnen haben noch etwas mehr Glück, denn sie können vermittelt werden. Es gibt Menschen, die keine Kosten und Mühen scheuen und diese Tiere aus dem Urlaub in ihre Heimatländer mitnehmen. Das Cat and Dog Rescue Center Samui hilft dabei. Sie kümmern sich um alles. Verliebt man sich als Urlauber in einen Hund der sein Leben noch auf der Straße lebt, kann auch dieser mit in die Heimat kommen. Es braucht leider nur etwas Bürokratie, Geduld und Geld.

Ebenso bei den Katzen. Hier trafen wir im Katzenhaus auf genauso bedauerlich aussehende Kätzchen. Unsere Kinder tauften die zahlreichen Katzen, die nur noch ein Auge hatten „Piratenkatzen“. Wie ihre Lebensgefährten, die Hunde, sind auch sie absolut lieb und vor allem liebebedürftig. Sie prüfen uns ein wenig genauer, schauen uns misstrauischer an. Wenn sie meinen, dass wir nette Menschen sein könnten, kommen sie näher. Sie belagern uns und genießen jede Art der Zuwendung. Kraulen, streicheln, spielen oder einfach nur dasitzen und beobachten wie sie spielen.

Koh Samui soll auch eine Trauminsel für Hunde und Katzen werden, dafür setzt sich das Cat and Dog Rescue Center Samui ein. Ihr Ziel ist es, dass Hunde und Katzen kastriert/sterilisiert werden, denn wenn sie sich nicht mehr vermehren, können sie an den Stränden und in den Hotelanlagen der Insel ein schönes Leben führen. Die Tierärzte und Helfer impfen die Tiere gegen Tollwut und andere Krankheiten und behandeln sie bei Bedarf (z.B. nach Unfällen) medizinisch. Hier eine Übersicht darüber, was die Menschen für die Hunde und Katzen auf der Insel alles tun:

  • Impfung aller Hunde und Katzen gegen Tollwut und übliche Hunde und Katzenkrankheiten.
  • Kastration und Sterilisation aller weiblichen und männlichen Hunde und Katzen.
  • Behandlung von räudigen Hunden Entwurmung aller Hunde und Katzen.
  • Behandlung aller Hunde und Katzen gegen Flöhe und Zecken.
  • Behandlung bei Verletzung oder Krankheit (notfalls auch stationär).
  • Hunde und Katzen, die auf Koh Samui keinen Platz um alleine zu überleben gefunden haben, werden im Tierheim in Bahn Taling Nam dauerhaft aufgenommen. Welpen, schwer verletzte, sehr alte oder dauerhaft behandlungsbedürftige Hunde und Katzen.
  • Vermittlung der Tierheimhunde weltweit und auf der Insel.
  • Fütterung von herrenlosen Hunden und Katzen auf der Insel.
  • Regelmäßige medizinische Betreuung und Fütterung der Hunde und Katzen an den Tempeln.
  • Unterweisung der Bevölkerung in artgerechter Tierhaltung.

Die Zeit im Tierheim vergeht so schnell. Nach zwei Stunden verabschieden wir uns und sind anhaltend beeindruckt. Von den vielen tapferen Tieren aber auch von der Arbeit der Menschen, die sich dazu entschieden haben, den Straßenhunden- und Katzen zu helfen. Es werden immer Helfer gesucht. Wenn wir noch mal nach Koh Samui kommen, werden wir mal einen oder zwei Tage im Tierheim helfen. Das haben wir uns fest vorgenommen. Bleibt tapfer, ihr lieben Zwei-, Drei- und Vierbeiner!

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